„Wer vergisst, wird den Fehler wiederholen!“ – Gedenkfeier zum Pogrom 1938 der SPD Münzenberg

Veröffentlicht am 10.11.2011 in Presse
 

(HV ). Die Anwesenden zeigten echte Betroffenheit bei der kleinen Feierstunde der SPD Münzenberg zum Gedenken an die Geschehnisse um die Reichspogromnacht 1938. Ganz dem heimischen Raum galt das Erinnern und Gedenken an Ausschreitungen in Gambach und Münzenberg. Rund 40 Menschen fanden dazu den Weg in das Kulturhaus Alte Synagoge im Stadtteil Münzenberg.

Nach der musikalischen Einleitung durch ein 2-Mann-Ensemble der Musikschule Butzbach erinnerte SPD-Vorsitzender Manfred Tschertner in wohlgesetzten Worten an die traurigen Ereignisse jener Zeit, die nicht ohne weiteres aus dem Nichts geschehen seien, sondern einen„Vorlauf“ hatten: „Wer die nationalsozialistische Diktatur überlebt hat, weiß jedoch auch, dass Verfolgung, Gewalt und Mord gesellschaftliche Vorstufen haben. Wegschauen ist eine davon. Sich abwenden, wenn Menschen in Bedrängnis geraten, geflissentlich weghören, wenn Vorurteile verbreitet werden, und abwiegeln, wenn rechte Gewalttaten angeprangert werden – das alles sind Anfänge, denen es zu wehren gilt!“. Eine Mahnung an alle Lebenden. Seine Ausführungen unterstrich der Vorsitzende durch Originalzitate aus den überlieferten Entnazifizierungsakten aus dem Münzenberger Stadtarchiv.

Im zweiten Teil der bewegenden Veranstaltung berichtete Sabine Vetter anhand einer Bilderpräsentation über konkrete Abläufe im Stadtteil Gambach. Ihr Bericht illustrierte das Zeitgeschehen im größten Münzenberger Stadtteil vom gedeihlichen und unverfänglichen Miteinander bis hin zu Ausgrenzung, Verachtung und Verhöhnung einer religiösen Minderheit. Dabei zitierte sie wortgetreu aus den so genannten „Heimatschriften“ der NSDAP-Ortsgruppe Gambach an die Gambacher Soldaten an den Fronten Europas. Die brutale und menschenverachtende Sprache jener Zeit rief bei allen Anwesenden pures Entsetzen hervor. Als Sabine Vetter aber zum Schluss der Veranstaltung die Namen aller deportierten und ermordeten Gambacher Juden unter den leisen Klängen eines traurigen Liedes der Musikschule Butzbach aufrief, standen vielen doch vor Ergriffenheit die Tränen in den Augen.

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