Gedenkveranstaltung zum 9. November 1938
Unter dem Leitthema „Es geschah vor aller Augen“ fand die diesjährige Gedenkveranstaltung der SPD Münzenberg zur sog. Reichspogromnacht vor 77 Jahren statt. Manfred Tschertner und Sabine Vetter gestalteten die eindrucksvolle Gedenkstunde mit Text- und Bilddokumentationen zu den Ereignissen um den 9. November 1938.
Mit diesem Datum verbindet sich der erste Höhepunkt der gnadenlosen, zielbewussten und systematischen Verfolgung der deutschen und später auch europäischen Juden. Am Beispiel des Münchener Rechtsanwalts Michael Siegel wurde aufgezeigt, dass die Diskriminierung der jüdischen Mitbürger bereits unmittelbar nach der Machtergreifung Hitlers begonnen hatte: Am 10. März 1933 war der Anwalt mit einem Schild „Ich werde mich nie mehr bei der Polizei beschweren“ ohne Schuhe und mit abgeschnittenen Hosenbeinen durch München getrieben worden, weil er die Demolierung eines jüdischen Kaufhauses angezeigt hatte.
Anhand vieler weiterer Beispiele wurde dokumentiert, dass der zunehmende Terror gegen Juden vor aller Augen der deutschen Öffentlichkeit stattfand, und die „Reichspogromnacht“ alles andere als eine spontane Reaktion der Bevölkerung auf die Tötung eines deutschen Botschaftssekretärs in Paris war. Der Pogrom war vielmehr bereits im Sommer 1938 von der NSDAP geplant und systematisch organisiert worden.
Der Weg der Nationalsozialisten war von Anfang an gekennzeichnet durch die Unterdrückung und Ausschaltung jüdischer Menschen in der deutschen Gesellschaft. Die Gedenkstunde war neben den Textbeiträgen geprägt von Film-, Bild- und Tondokumenten die nicht nur den täglichen Rassenhass aufzeigten sondern z. B. auch die Eliminierung bedeutsamer Wissenschaftler und Künstler aus dem öffentlichen Leben und den Abtransport von Nachbarn in die Konzentrationslager.
Was war der Grund, dass die meisten Deutschen wegsahen oder ignorierten, was vor aller Augen geschah? War es mangelnde Zivilcourage, Gleichgültigkeit oder lähmende Angst? Die beiden Referenten der Gedenkstunde konnten zu dieser Frage keine letztlich gültige Antwort vortragen.
Neben der Scham über die Geschehnisse der Nazidiktatur bleibt, dies war ein Resümee der Veranstaltung, die Verantwortung dafür, dass sich ein solches Geschehen nie wiederholen darf. Die beeindruckende Gedenkstunde klang musikalisch aus mit der Mahnung „Dass du dich nicht erinnern kannst, heißt nicht, dass es nicht passiert ist…“