Ein Jahr nach der Kommunalwahl trafen sich die SPD-Mandatsträger im Seminarhotel Jakobsberg bei Grünberg zu einer Bestandsaufnahme und Reflexion der bisherigen Arbeit. In der von Michael Brückel moderierten Klausur wurden die wichtigsten Felder der Stadtpolitik behandelt, wobei auch das Rollenverständnis von SPD und den Mehrheitsfraktionen näher beleuchtet wurde. Erneut wurde mit Bedauern der häufig fehlende Kooperationswille der CDU- und FWG-Fraktion festgestellt, was einer gedeihlichen Zusammenarbeit zum Wohl der Stadt abträglich sei.
Im Mittelpunkt der Beratungen standen jedoch die Perspektiven der Stadtentwicklung. Stadtverordneter Harry Prockl stellte in einer ausführlichen Präsentation dar, dass Münzenberg über eine recht gesunde Betriebs- und Beschäftigtenstruktur verfügt. „Bezogen auf den Arbeitsmarkt ist Münzenberg z. Zt. relativ gut aufgestellt“, lautete das einhellig Votum zu dieser Momentaufnahme.
Die Bewertung der Perspektiven der Stadtentwicklung fiel weniger positiv aus. Mit Bedauern wurde festgestellt, dass weder Fortschritte in der Vermarktung des Gewerbegebietes in Gambach, noch in Bezug auf ein schon seit Jahren diskutiertes Areal im Bereich Ober-Hörgern/A45 erkennbar seien. Bürgermeister Zeiß müsse sich fragen lassen, was er in den vergangenen Jahren unternommen habe, um die Vermarktung bzw. Planung dieser Gebiete voran zu bringen. Ein Blick auf die Nachbarkommunen Butzbach und Wölfersheim zeige, was Bürgermeisterengagement bewirken könne. Die SPD-Fraktion werde sich künftig verstärkt mit diesem Thema beschäftigen.
Ähnlich kritisch fiel die Analyse der sozialen Infrastruktur aus. Auch in den Bereichen Senioren- und Jugendarbeit wurde mit Bedauern festgestellt, dass mehr „der Bestand verwaltet“ als Neues geschaffen werde. Die Abwanderung von Senioren in Wohnanlagen außerhalb Münzenberg/Gambachs nehme ständig zu, sodass ein offensiveres Vorgehen zur Schaffung geeigneter Wohnmöglichkeiten inzwischen höchst dringlich geworden sei. Statt auf Investoren zu warten, müsse ein Konzept für seniorengerechtes Wohnen in alten Ortskernen als auch im Neubaugebiet her und baldmöglichst umgesetzt werden. Baugelände und Nachfrage seien genügend vorhanden, so das einhellige Votum der Sozialdemokraten.
Ausführlich behandelt wurden auch die Perspektiven der Jugendarbeit in Münzenberg. Es sei nicht erkennbar, welchen Kurs Magistrat und Bürgermeister hier verfolgen: Man warte seit längerem auf den Bericht der Jugendpflege für das vergangene Jahr, es fehle offenkundig in allen Stadtteilen an geeigneten Treffpunkten für Jugendliche, für eine demontierte Halfpipe in Münzenberg sei kein Ersatz geschaffen worden. Was fehle, sei eine Bedarfsanalyse, auch für Möglichkeiten einer integrierten Junioren-/Seniorenarbeit. Auch hier wollen die SPD-Stadtverordneten gemeinsam mit den Ortsbeiräten verstärkt aktiv werden.
Während die Ausstattung mit Kindergärten in der Gesamtstadt als vorbildlich anzusehen sei, müsse auf die Sicherung des Schulstandortes Münzenberg/Gambach ein besonderes Augenmerk gerichtet werden. Ohne den Zuzug junger Familien, sei es in modernisierte Ortskerne oder weitere Neubaugebiete, müsse in Zukunft mit Problemen gerechnet werden. Insofern komme es darauf an, Münzenberg als attraktiven Wohnstandort für Jung und Alt zu erhalten und auszubauen.
Mit der Formulierung eines umfangreichen Aufgabenkatalogs für die weitere Legislaturperiode ging die SPD-Klausur zu Ende. „Auch wenn das Vorankommen in den städtischen Gremien oft sehr mühsam ist, wollen wir nichts unversucht lassen, um die Stadtentwicklung voran zu bringen“, war das optimistische Schlusswort von Michael Brückel.